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Alltagspost für Dich

Liebe Alltagsfreundin, lieber Alltagsfreund,

Seit meiner Kindheit bin ich stolz darauf, in Wurfweite vom „Tiefsten Loch der Erde“ zu wohnen. Nur für den Fall, dass du kein Oberpfälzer Urgestein bist: Gemeint ist das Geozentrum an der Kontinentalen Tiefbohrung in Windischeschenbach. Fast 10.000 Meter geht es dort seit ein paar Jahrzehnten in die Erde hinab. Was für ein sagenhafter Tiefpunkt! Nun habe ich selbst so einen Tiefpunkt entdeckt. Dummerweise mitten in meinem Leben und alles andere als sagenhaft. Willst du meinen persönlichen Tiefpunkt kennenlernen?
Sein Name war „AAAAAAHHHHH“ und ich bin vorgestern ziemlich genau um 9.00 Uhr früh auf ihn reingefallen. Er machte sich mit 20 Onlineterminen innerhalb von 24 Stunden bemerkbar. Währenddessen bestand mein Kopf nur noch aus Passwörtern. Um mich herum ging die Suche nach falsch ausgedruckten Arbeitsblättern, unauffindbaren Arbeitsbüchern und einem Einhorn los. Außen wartete der Schnee darauf, endlich weggeschipt zu werden. Nicht zu vergessen mein Kleinster, der wie ferngesteuert unser Haus auseinandernahm. Und schon stand ich da und rief nur noch „AAAAAAHHHHH!“. Leider ohne irgendwelche Folgen. Abgesehen davon, dass das Mikrofon beim Onlineunterricht meiner Tochter in diesem Moment auf „on“ stand. Was für ein peinlicher Tiefpunkt.








Sagenhaft tief

 


 

 




 
AAAAAAHHHHH!




 





Ab nach oben

Dummerweise schafften es an diesem Tag auch noch die Nachrichten aus der großen ver-rückten Welt in meine kleine, ebenfalls verrückte Welt: schön bayerische FFP2-Maskenpflicht ab Montag. Infektionen über Infektionen. Querdenker ohne Hirn. Kirche ohne frohe Botschaft.
Schon wollte ich wieder zum Klageruf ansetzen. Doch ich tat es nicht. Nein, ich tat es nicht. Was ich dafür tat: Ich sagte der Tiefpunktwand um mich herum den Kampf an und begann, hochzuklettern. Klappte nicht am Schnürchen, aber es klappte. Schließlich kam ich auf allen vieren aus meinem Tiefpunkt heraus.

Drei Dinge haben mir dabei geholfen:

1.Ich habe eine Liste gemacht. Eine Liste mit all dem, was grad besser ist als sonst:
  • länger schlafen können, weil die Kinder nicht pünktlich in der Schule sein müssen (zugegeben: sehr oft wünsche ich mir, sie müssten es)
  • viel mehr Zeit mit meiner Familie verbringen können, weil immer jeder da ist (AAAAHHH, IMMER IST JEDER DA!)
  • bei diesem wunderbaren Schneechaos nicht mit dem Auto fahren müssen (ist dieses malerische Winterwetter für uns, die wir ohnehin zuhause bleiben sollen, nicht göttlich?)
  • keine Abendtermine haben (zählt Wäscheaufhängen als Abendtermin?)

Weitere Mithelfer waren:
  1. Mein neuer Lieblingsmusiker: Elton John. Sein Lied I´m still standing“ kann ich momentan gar nicht oft genug hören und zieht mich immer nach oben. Egal wie sehr ich unten bin. (Eine mega Filmempfehlung am Rande: Rocketman)
  2. Und ein Bild – wie könnte es anders sein – von meiner Lieblingsblume. Eine prima Freundin aus Bautzen hat es mir geschickt, nachdem ihr zwischen dem Schnee ein äußerst mutiges Gänseblümchen zugelächelt hat. Wenn das nicht tapfer ist.






Ein Hoch auf die Tiefpunkte



 

Falls du nun denkst, ich habe alle Tiefpunkte hinter mir: Weit gefehlt. Aber immerhin ist es bisher bei einem „aaaaaaahhhhhhh“ in mezzoforte geblieben. Und das ist doch schon mal ein Fortschritt.
Warum ich dir das alles erzähle? Weil ich vermute (und auch ein kleines bisschen hoffe...), dass auch du Tiefpunkte hast und ab und an einen solchen näher kennenlernen darfst. Ob du magst oder nicht.
Heute glaube ich übrigens: Tiefpunkte haben ihre Berechtigung. Nicht dass ich sie mir wünschen würde. Aber wegwünschen klappt eben auch nicht. Dann heisst es durchstehen, nach oben schauen und Schokolade essen. Das Schöne ist: Wenn man mal ganz unten war, dann ist es oben gleich viel schöner als vorher. Was für eine alte Weisheit!

 

Was ich dir wünsche? Dass du deine Tiefpunkte, die dir der Lockdown-Alltag hier und da beschert, mutig durchlebst und ihnen bald entkommen kannst. Ob mit oder ohne Elton John. Was zählt ist das Leben. Und es ist eben jetzt, mitten im Coronachaos, hier in deinem Leben. 

Übrigens: Da ist noch jemand, der Tiefpunkte ziemlich gut kennt und ein ganzes Buch darüber hat schreiben lassen. Gott höchstpersönlich. Wie schön, dass wir uns mitten im tiefsten Alltagsloch getragen wissen dürfen von ihm. Einfach ein göttlicher Gedanke, der Mut macht.

Wieder lächelnde Grüße aus meinem Alltagshoch

Deine

P.S.: Das Gänseblümchen blüht jetzt auch auf Facebook.
Wenn du Freundschaft knüpfen magst, dann schau vorbei! 
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