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Alltagspost für Dich

Liebe Alltagsfreundin, lieber Alltagsfreund,

Ich habe eine Werkbank getroffen. Eine von der schönen, alten Sorte. Hübsch verkratzt und voller Spuren aus vergangenen Jahrzehnten. Schätzungsweise ist das antike Stück schon länger auf unserer Welt als ich. Und gut möglich, dass sie meine Lebenszeit toppt. Denn so schnell wirft die nichts um. So zerkratzt, behauen und abgearbeitet sie aussieht. Woher ich das weiß? Ich habe sie gefragt. Wie es ihr geht und was sie alles so erlebt hat. Gut ginge es ihr, hat sie gemeint. Immerhin weiß sie, woher die vielen Kratzer kommen. Und sie glaubt sogar, dass es die Kratzer sind, denen sie den Zutritt in den schicken Wintergarten meiner Schwester verdankt.
Warum ich dir heute von diesem besonderen Möbelstück erzähle? Weil mich diese schmucke Werkbank ins Nachdenken gebracht hat. Jetzt, wo das Jahr zu Ende geht. Ja, ich weiß, Silvester ist erst im Dezember. Und nein, du hast auch sonst nichts verpasst. Aber trotzdem geht in diesen Tagen ein Jahr zu Ende. Das Coronajahr. (Die Tatsache, dass im selben Augenblick das zweite Coronajahr beginnt, verschieben wir mal auf später.) Der beste Zeitpunkt also, die eigenen Kratzer anzuschauen und zu bewerten. Von „Das hätte es nicht gebraucht!“ über „Woher kam das denn?“ bis „Na, wer hätte das gedacht?“ war in den letzten Monaten schließlich alles dabei. Doch wohin damit und wie weiter?








Was eine Werkbank erzählt

 


 

 




 
Kratzer gesucht




 









Auf zur Spurensuche 

Noch einmal muss ich an die Werkbank denken. Die hat schon vieles überstanden. Die Spuren erzählen davon. Wie ist das bei mir so? Jetzt, wo 365 Coronatage ihre Spuren hinterlassen haben. Da wäre zum Beispiel der dicke „Ich-muss-zuhause-bleiben“-Kratzer. Zugegeben, der ist ziemlich tief und zieht sich weiterhin in die Länge. Dafür hatte ich immerhin Gelegenheit, zuhause auch wirklich in die Tiefe zu gehen. Tatsächlich war mein Keller noch nie aufgeräumter als in den letzten Monaten.
Gleich daneben liegt die „Keinen-mehr-umarmen-können“-Furche. Ja, sie hat es tatsächlich schwer und so schnell wird das auch nicht besser. Obwohl ich mittlerweile spüre, dass sich in meiner oberen Gesichtshälfte Muskeln aktivieren, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie besitze. Es lohnt sich also tatsächlich, mit den Augen über die Maske hinweg zu lächeln.
Oh, fast übersehe ich die „Ein-Zoomabend-nach-dem-anderen“-Schramme. Noch vor einem Jahr hätte ich nicht gewusst, was damit gemeint ist. Mittlerweile kann ich ein Lied davon zoomen, ähh summen. Doch mittendrin in diesem Lied erinnere ich mich an ganz nahe Momente, in denen ich gefühlt auf dem Sofa von Freunden saß, obwohl wir uns nur virtuell sehen konnten.
Nicht zu vergessen die „Wo-ist-Gott-zu-finden“-Ritze. Und siehe da, da sind ganz viele Ritzen, in denen Gott zu finden ist. Mittendrin in meinem Leben. Und sogar online ist ER mit dabei.
Einfach erstaunlich, diese Spurensuche. Ich könnte noch weitermachen, aber das will ich gar nicht. Denn vielleicht hast du Lust bekommen, bei dir genauer hinzuschauen? Wer weiß, vielleicht kommst du ja ins Gespräch mit einem besonderen oder ganz und gar alltäglichen Möbelstück bei dir zuhause. Ein Tisch, Stuhl, Schrank,... der dir seine Kratzer zeigt und dich einlädt, es ihm gleichzutun. 
Mein Wunsch an dich: Mach das. Schau genau hin, welche Spuren das vergangene Jahr in deinem Leben hinterlassen hat. Nimm dir dabei Zeit, die schweren Kratzer anzuschauen und schenke zugleich den unerwartet guten Schrammen mehr Aufmerksamkeit. Denn ob gut oder schlecht, die Kratzer sind Geschichte. Und vielleicht kannst du sie aus der Entfernung betrachtet neu bewerten. So wie es die schmucke Werkbank macht, wenn sie mit einem hölzernen Schulterzucken darüber hinwegsieht, wie zerkratzt sie schon ist. Nur um dann festzustellen, dass sie immer noch eine Werkbank ist. Bereit für neue Ideen, mutige Experimente und nicht zu verklemmt für das Unmögliche. 

Apropos Spurensuche: Nicht mehr lange, und Ostern passiert. Trotz Corona oder gerade deshalb. Das Schöne an der Spur des Osterfestse: Sie ist eine Spur des Lebens, des Neubeginns, der Auferstehung. Vielleicht werden wir auch hier zu Spurenlesern. Ganz nah am Boden der Tatsachen und mit Blick auf das, was im zweiten "Coronajahr" ungeahnt möglich ist.
Ganz aufgekratzte "Neujahrsgrüße" an dich

Deine

P.S.: Am Sonntag gibt es wieder ein Familiengebet. Ebenso wie am Karfreitag und Ostersonntag. Sei dabei oder erzähle es weiter!
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