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Liebe Grufschniddis,

elf Jahre ist es her, dass ich bei GC angefangen habe. Und ich kann mich an kein Jahr erinnern, in dem so dermaßen viele Killer-Platten rausgekommen sind. Und es sind die Neuveröffentlichungen, die die Wiederveröffentlichungen überstrahelen. Das hat sich die letzten Jahre abgezeichnet, denn die Archive wurden mittlerweile durchgearbeitet - und Einflüsse wurden eingesogen - jetzt kommt es raus in Form von Neuartiger Musik, die trotzdem mit der Vergangenheit verbunden ist. Wir haben das Jahr zum Anlass genommen, Euch eine Art persönlicher Bestenliste aufzuschreiben. Weggelassen haben wir Platten, die nicht mehr erhältlich sind. So fehlt uns Little Simz und Einiges, was ich jetzt besser nicht aufzähle. Bevor wir einsteigen, noch zwei Hinweise in verkehrter Reihenfolge:



Samstag spielen die Mighty Mocambos ein Instore-Konzert bei uns und nehmen dabei eine Live-Single auf. Geile Idee! 19:00 Wuff!


Freitag legt superduper Boiling Point DJ aka Keith Slater mit Martin Moritz im Pudel auf. Keith ist einer der beseeltesten Sammler afrikanischer Schallplatten und Compiler für u.a. Analog Africa. Stellt Euch darauf ein, dass Ihr Musik betanzen werdet, die Ihr vielleicht sonst nie wieder betanzen könnt. Das wird besonders. Ab 20:00 ist bereits Groovie Schüssel mit Prof. Gris Gris.



Gang Starr: One Of The Best Yet [Gang Starr Ent. 2LP/CD]
Hier ist es. Eines der größten vinylen Erereignisse der letzten Jahre. Zumindest was unseren Kontext betrifft. Schließlich sind wir harte Gang Starr Fans und dieses Duo hat unseren Laden geprägt. Aber was soll ein post mortem-Album fragen viele. DJ Premier gibt selsbt die Antwort, hört es Euch an: In diesem Album steckt Liebe in rauhen Mengen und der unbedingte Wille zu einem guten Abschluss zu kommen. Das ist, was es ist: Kein Aufbruch in die Zukunft - das "neue" Album klingt, als wäre in der Zwischenzeit nichts passiert. Es klingt wie das nächste Gang Starr Album. Und Aleben von denen waren immer mit neugierigem Herzklopfen verbunden. Danke. Ab Freitag bei uns auf Vinyl!




Kelly Finnigan: The Tales People Tell [Colemine LP/CD/MC]
2019 war definitiv ein gutes Jahr für neue Soul-Musik. Stellvertretend greifen wir dieses absolute Highlight heraus: Das Label beschreibt Kelly Finnigan's Debütalbum als "Masterclass" an und hat damit unbedingt Recht: Finnigan mach alles richtig, bewegt sich mühelos durch zahlreiche Spielarten der Soulmusik. Seine Musik ist reich an Zitaten — aber das wäre alles nichts ohne ihre Emotion und Seele. Auch nach dem 400sten Hören noch absolut umwerfend.



Anadol: Uzun Havalar [Pingipung LP+DL]
Diese Platte zu hören, ist als würde man einem dampfenden Kabelsalat dabei zusehen, wie er ganz langsam zu einer wunderbaren Suppe wird. In die will man sich reinlegen. Macht man auch - immerhin 200 Mal verkauft worden hier dieses Jahr. Und das bei einer Platte, die so weit weg ist von jeglichem Genre oder Mainstream - es gibt sie einfach nicht zwei Mal unter dieser Sonne. Ein autochtones Prachtexemplar.




Derya Yıldırım & Grup Şimşek: Kar Yağar [Bongo Joe LP/CD]
Lang erwartet und lange erarbeitet: Das Debütalbum von Hamburg's Tochter Derya und ihrer Grup. Falls ihr hohe Erwartungen hegt, so werden sie übertroffen. Ein geduldiges Album - naja eher eine Novelle, ein kleines Buch - dass zu erzählen weiss. Ein Album voll wunderschöner Eigenkompositionen. Ein Album mit viel Platz für Gedanken. Vorgetragen von einem Seelentransmitter, der Derya nun mal ist. 



Mort Garson: Plantasia [Sacred Bones LP&CD]
Eine Seventies-Synthesizerplatte, die Pflanzen wachsen lässt. Das ist vong Thema hair latürnich vollkommen obskurant. Wenn sie dann aber doch so schön ist, so wohlig, so einnehmend — dann wird sie einzigartig. Lasst wachsen!



Sarathy Korwar: More Arriving [Leaf LP/CD]
Dieses staubige nostalgische weisshaarige Ding namens Jazz-Musik ist im 21. Jahrhundert angekommen. Dank Leuten wie Sarathy Korwar setzt es Themen und Diskurse, liefert Einblicke in Seelen. Ein irrer Ritt durch die südasiatische Rap-Kultur in Indien und UK. Gedichte zum Weinen und drei Mal schlucken. Ein Einblick in die Seelenwelt eines südasiatischen Menschen, aufgewachsen in UK. Mehr als ein Blick auf den Begriff "Heimat" und nicht zuletzt eine schöne, bunte Welt, in der jeder eine Stimme hat. Eine Welt, in der wir leben möchten. Auf zich Ebenen ein Wahnsinnsalbum — und was ist das am Ende, wenn nicht Jazz?



Cochemea: All My Relations [Daptone LP+DL/CD]
Kaum ein Album hat uns so wohlig überrascht, wie dieses. Denn eigentlich gibt es so etwas doch gar nicht. Oder nicht mehr. Nee eigentlich gab's das einfach noch nicht, fertig. Latin- bis Indien Percussion Vibes, herrlich komponiertes Zeug - das selten gehörte elektrische Saxophon. Das Album ist so New York, so multi kulti und somit abwechslungsreich  - und FreundInnen des B-Boy/Girl-Breaks werden extrem glücklich mit "Mitote"



Ahmoudou Madassane: Zerzura OST [Sahel Sounds LP/CD]
Hören
Nordafrikanisches Wüsten-Äquivalent zu dem Wüstenrock-Soundtrack schlechthin: Neil Young's grandiosem Dead Man. Meist Gitarre solo, ansonsten spärlich begleitet, dieser mystische enigmatische, rundum sagenhafte Soundtrack. Bleibt nur noch die Frage: Kennt jemand den Film? Fragten wir im Februar. Mittlerweile lief er im B-Movie Kino. Warst Du da?




Fazer: Nadi [Squama LP+MP3/CD]
Wieder mal wärmstes empfohlen, weil warm und wohlig gespielt, warmherzig und erzählerisch: Das nunmehr zweite Album der Münchner Jazz-Band Fazer. Die haben einen festen Platz in unseren Herzen. Und an diesem Platz wird es nach kritischer Anhörung der neuen Platte noch wärmer. Falls ihr es noch nicht gemerkt habt: In 2019 ist Jazz lebendiger denn je.




Baba Zula: Derin Derin [Glitterbeat LP/CD]
Die türkisch-griechische Gruppe gibt es ja schon ewig. Aber noch nie haben sie ein derart gute Album gemacht. Hier kommt alles zusammen, was sie die letzten Jahrzehnte so unnachgiebig erarbeitet haben. Meisterlich!!




Hieroglyphics: 3rd Eye Vision [Hier Imperium 3LP/CD]
Dringend benötigte Wiederauflage eines Rap-Meisterwerks.




Gary Davis: A Taste Of Chocolate - The Very Best Of [Chocolate Star/Traffic 2LP/CD]
HILARIOUS STUFF! Meine Damen und Herren, wir möchten Sie einladen auf eine rumpelige Busfahrt von New Jersey nach New York: Wir befinden uns in den frühen Tagen der HipHop-Kultur: Wo alles noch so schön unklar ist: Synthetischer Soul, der Verve des Punk, verzerrtes Schlagzeug-Geschepper, Proto-Rap und ein Kübel Spaß sind so in etwa die Ingredienzen und hier haben wir schon das erste schiefe Bild gemalt: Denn Busfahrten haben eher Zwischenstopps, Suppen hingegen Zutaten. Kenn Ihr zufällig noch die erste Suppe, nein Platte von James Pants "Welcome"? Ich bin mir sicher, dass wir alle so viel Spaß an ihr hatten, weil er einfach ganz viel Gary Davis gehört hat, als sie entstand. Musik aus einer Zeit, in der Grenzen noch nicht definiert sind (ausser gegenüber Poppern). Es lebe die jugendliche Formenvielfalt - TIPP! Hören!



Raphael Saadiq: Jimmy Lee [Sony 2LP/CD]
Shit is current!! Mit all seiner Erfahrung im Rücken legt Raphael Saadiq ein heftiges Album hin. Sehr persönlich einerseits: In einem langen Bogen verhandelt er die Suchterfahrungen seines Bruders. Da er dies von so viel Perspektiven tut, merkt man nach einer Weile: Eigentlich ist die Geschichte viel offener - vielleicht singt Saadiq doch vornehmlich von der Gesellschaft. Musikalisch ist das ohnehin großes Tennis und der Inhalt gibt zu grübeln.



Ziad Rahbani: Abu Ali [Wewantsounds LP]
2019 - auch eins der Jahre in denen man längst abgeschriebene Platten auf den Teller legen durfte. Für dieses epische wunderschöne Album musste man bis vor Kurzem noch 600 Euro überweisen, wenn das MP3 für 1,99 nicht genug war. Nun denn: Auch 2019 gilt, dass ein Preis nichts über Musik aussagt. Abu Ali ist ein wichtiges Werk, eines inspirierten Tages vom libanesischen Gott Ziad Rahbani aufgenommen. Die Musik ist irgendwo zwischen arabischer Klassik und Disco einzuordnen. Sie ist damals gescheitert - aber heute kennt das zwischen Beirut und Kabul jede/r - ein steinerner Klassiker - und ein einzigartiges Phänomen - seit diesem Jahr für knapp 575 Euro weniger zu haben. 




Karl Hector and The Malcouns: Non Ex Orbis [Now Again LP/CD]
Diese Platte war ein Überraschungshit. Zumindest im Kontext dieses Ladens: Wer hätte gedacht, dass so viele von Euch auf haarig-krautigen Jazzrock stehen. Ja aber wenn's denn auch gleich eine solch fantastische Platte ist, dann kommt es zu einer astreinen Whynottskisituation. Hören?



Fernando Falcão: Barracas Barrocas [Selva LP]
Filmmusik, die keine ist. Und dabei so brasilianisch klingt. Wie sie nunmal ist. Und dann klingt sie aber auch wie keine andere Platte, die wir aus Brasilien kennen. Sie ist wundervoll arrangiert und bestreichert, wie das Zeug vom geliebten Artur Verocai. Aber weniger poppig. Muss man quasi durchhören, diese Musik braucht Zeit und Aufmerksamkeit. Die habt Ihr zum Jahreswechsel sicher, also kauft das. Eine Offenbarung!



The Specials: Encore [Island LP]
Schon ein Weilchen draußen, aber heute noch gedacht: So geht Altersloswerk! Ihr wisst esauch: Die Specials brauchen uns nicht, aber wir brauchen die Specials! Falls Ihr die Specials nicht kennt, dann ecosiat das mal! Musikalisches Genie mischt sich mit klugen Aussagen zu der Zeit, in der wir leben. Ein Album, dass Mut und Vision spendet und bei dem bis zum Streicherarrangement jedes Detail stimmt.




Mike Patton & Jean-Claude Vannier: Corpse Flower [Ipecac LP]
Enigmatisch hoch dreizehn diese Kombination: Der Multiversalist und Musikheld Mike Patton ist in der Tat ein grandioser Vokalist, der immer mit neuen Konzepten überrascht. Sein musikalischer Aubruch nach Faith No More war ein Aufbruch ins Grenzenlose. Dort trifft er zwei Jahrzehnte später auf...Jean-Claude Vannier! Einen der Säulenheiligen
dieses Ladens: Autor des legendären "Melody-Nelson"-Albums mit Serge Gainsbourg, Arrangeur unzähliger französischer Soundtracks, Popstücke und Seltsamkeiten und unser Gast beim Überjazz Festival 2012 oder 13. Dass dabei ein schwer zu ergründendes Stück Musikcineasmus von ungeheurer Leichtigkeit herauskommt ist keine Selbstverständlichkeit.
So wie nichts an dieser Kombination selbstverständlich ist. Ist das vielleicht eine düstere Version der Elvis-Costello-Burt-Bacharach-Kollabo? Geiler Scheiss. Haschisch-Party im Tin Pan Alley! Post-Barock könnte man das Genre nennen. 
Hört selbst.




Ebow: K4L [Problembär LP/CD]

Es ist ein Rätsel: Wie kann man ein Album machen, das inhaltlich so stark ist — und dann ist es musikalisch auch noch Vollbombe? Hut ab für Ebow, von der wir Euch schon oft erzählt haben. Die "wichtigste Stimme im doyçen Rap" (Ärzteblatt) hat soeben ihr bestes Album auf den Markt geworfen. Mit Texten, die uns alle zur Selbsthinterfragung bringen. Mit gesellschaftlich wichtigen Beiträgen und mit Dingen, die 1 Seele gut tun. Und einem Ring der Benebelungen, der sich um die psychedelischen Produktionen des Beatmakers Walter PP9 Arke$tra rankt. Dafür kriegt sie viel Aufmerksamkeit und das ist auch gut so! Kauft die Platte und pumpt sie hart. Auch wenn ihr nicht "Blutgruppe Ayran" seid. 



 
Grup Ses & Ethnique Punch: Deli Divan [Souk LP]
Vierzehn (JA, VIERZEHN) Türkçe Rap Miniaturen und Instrumentals dazu. Von unserem Liebling Grup Ses mit dem hoch veranlagten EMCEE Ethnique Punch. Grup Ses ist sicherlich der Producer mit der tiefsten Plattenkiste Anatoliens und entsprechend super sind seine sample basierten Beats. Die Rückseite enthält die Instrumentals und sie funktioniert wie ein eigenes Album.  Hört selbst! 




DJ Stylewarz: Der Letzte Seiner Art [HHV 2LP]
OK, ein Bisschen dezenter hätte das Product-Placement ausfallen können auf dem Cover. Aber darum geht's doch auch gar nicht. Im Gegensatz zu uns redet Stylewarz auch weniger, was andere wiederum als angenehmer empfinden. Er spricht mit den Händen und lässt reden: Von Lakmann, Pierre Sonality, Megaloh, El da Sensei, Crak (! Bremerhaven! No Remorze!), Frederik Hahn, Samy Deluxe, Trettmann - schwer vorzustellen, dass man auf einem solchen Dinozug von Album nicht dabei sein will. Denn: Wie geil ist das eigentlich, dass Legende endlich mal wieder mit einem Album um die Ecke kommt?
Remixe davon haben wir jetzt auch und Handschlag: Am 13. Februar 2020 machen wir einen #groovecitytalk mit ihm. Da sagen wir Euch noch Bescheid.


Falls Ihr hier unten angekommen seid, dann können wir uns mit Fug und Recht bedanken, dass Ihr das alles gelesen habt!


Schönes Restjahr

Euer Booty für Groove City


 
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