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Hallo <<Vorname>> <<Nachname>>,

„Das ist schon lustig“, sagte am Wochenende ein alter Freund zu mir, „alles kommt irgendwann wieder.“ Er meinte damit nicht mich – auch wenn wir uns an dem Abend zum ersten Mal seit ziemlich genau 20 Jahren wiedersahen – sondern: die CD. Hä?, dachte ich (es war schon später), kein Mensch kauft doch mehr CDs? Die Jungen streamen, die Alten legen Vinyl auf – und zwar so emsig, dass Presswerke gar nicht mehr hinterherkommen. Aber es stimmt! In den USA wurden 2020 31,6 Millionen CDs verkauft, 2021 schon 46,6 Millionen. Okay, vor 20 Jahren war es fast eine Milliarde. Aber immerhin.

Und jetzt könnte es tatsächlich wieder rundgehen. „Die Tochter einer Bekannten hat sich gerade einen CD-Player gekauft“, sagte der Freund – nennen wir ihn Jens – weiter. „Zum ersten Mal in ihrem Leben. Die ist 15.“ Und warum? Wegen Kate Bush! Die Sängerin bringt ihren Welthit „Running Up That Hill“ von 1985 erneut auf CD raus. Kann man sich beim Netflix-Erfolg „Stranger Things“ bedanken, wo der Song läuft.

Dabei, das muss man sagen, ist nicht alles gut, was glänzt. Bestes Beispiel: die Bieter-Schlacht, die ich mir später am Abend noch mit Jens geliefert habe. Denn wir waren auf einer „Trauerparty“, der Nachlass eines ehemaligen Kollegen wurde für gleich zwei gute Zwecke versteigert (einige Raritäten gibt's unter dem Stichwort „A Tribute To Dirk Siepe“ auf eBay zu ersteigern – die Erlöse gehen an die Neven-Subotic-Stiftung und die „Löwenzahn“-Kinderhospize).

Letzter Punkt der Auktion: die Amateur-Master-CD einer Band, die nur einen einzigen Tag existierte und von der es nur einen einzigen Song gibt (längere Geschichte). Und für die sich – ehrlich gesagt – niemand so wirklich interessierte. Nur wir beide. Bei 50 Euro wurde es mir ein bisschen warm, bei 60 heiß, bei 70 mulmig. Bei 100 Euro war ich raus, er bekam den Zuschlag. Und ich am nächsten Tag – auf dem Weg zurück nach Hamburg, er längst wieder in Berlin – eine Nachricht: „Übrigens: Die CD ist ja auch schon schlappe 25 Jahre alt. Rate mal, ob da noch was drauf ist …“


Deine
Nadine Rinke
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 Die gute 
 Nachricht 

Die Stadt quillt über vor Kultur!

Und weil einiges zwar richtig gut läuft, andernorts aber das Publikum fehlt, kann man diejenigen, die es sich leisten können, gar nicht oft genug zum Kartenkauf animieren. Fürs „Easterfield"-Festival beispielsweise, das ab heute in einem Eppendorfer Hinterhof steigt. Fürs Open-Air-Literaturfestival „Hamburg liest draußen“, das heute Abend startet. Oder für die Theaternacht am Samstag. Oder – wer es richtig groß mag – die „Mamma Mia!“-Musical-Premiere Sonntag in der Neuen Flora. Wer nicht so tief in die Tasche greifen kann (oder will), kann sich Samstag beim „Drunter & Drüber“-Festival in der Neustadt vergnügen oder sich auf das „Picknick am Wall“ – eine Kunstaktion am Glockengießerwall – einlassen. Jeweils bei freiem Eintritt. Und Schnäppchenjägern sei das „Kinofest“ empfohlen, bei dem die Filme in den teilnehmenden Kinos am Samstag und Sonntag nur 5 Euro kosten. In Hamburg dabei: die UCIs, das Zeise-Kino, die Astor-Film-Lounge und das Savoy.  


 schön gesagt 

„Hamburg ist meine goldene Start- und Landebahn, mein persönliches Eldorado. (...) Dass diese geile knallebunte Musik- und Kulturstadt mich jetzt zu ihrem Ehren-Paniker macht, ist natürlich ein absoluter Hammer und eine Riesenehre."
 
– Udo Lindenberg. Der 76-Jährige wurde gestern im Rathaus zum Hamburger Ehrenbürger ernannt – die höchste Würde, die die Stadt zu vergeben hat (und die sie höchst selten Musikern zuteil werden lässt: Zuletzt war Johannes Brahms dran – 1889!). Hier gibt's alles zur Zeremonie mit Jan Delay & Co. (M+).

Fotocredit: Marcus Brandt/dpa


 DER MOPOP-TIpp 

Luka Lenzin hat in Hamburg Illustration studiert, ist Teil diverser Bands und macht auch solo Musik. Nebenbei hat Lenzin aber auch fast zehn Jahre als Aushilfe in einer Drogenberatungsstelle gearbeitet. Von diesen Erfahrungen erzählt jetzt der Comic „Nadel und Folie“, der gerade bei Reprodukt erschienen ist. Lenzin beschreibt darin den Alltag der Szene, schildert die Bedürfnissen der Menschen und vor allem: ihre persönlichen Geschichten. Heute Abend gibt's eine Lesung im Museum für Kunst und Gewerbe, die von Gesprächen über die Erlebnisse in der Drogenberatung umrahmt wird (18.30 Uhr, Eintritt frei). Und Ende des Monats folgt beim „Comicfestival“ in der Galerie „OK BYE“ an der Harkortstraße eine Ausstellung mit Orignalseiten.

Bild: Cover-Ausschnitt von „Nadel und Folie“; Luka Lenzin/Reprodukt

 Das Album 
 der Woche 

Es gibt bekanntere, erfolgreichere Bands aus der Grunge-Ära. Aber dafür sind die Afghan Whigs bis heute besonders gut. Mit „How Do You Burn?" – ihrem ersten Studioalbum seit 2017, als sie mit „In Spades“ auch die deutschen Charts enterten – gelingt Greg Dulli & Co. gar ein Karriere-Highlight. 
1986 gegründet und seit dem Grunge-Boom vor 30 Jahren erfolgreich (wenn auch nie so erfolgreich wie sie es verdiente), präsentiert sich die Band jetzt vorbildlich gealtert. Das geht mit „I'll Make You See God“ – um ein mächtiges Gitarrenriff und das dramatische Gebrüll von Frontmann Greg Dulli herumgebaut – toll los und lässt bis zum hymnischen letzten Song „In Flames“ nie an Intensität nach. Das Besondere an den Afghan Whigs war immer ihre Verknüpfung von hartem Rock mit Soul, R&B und Gospel. Dafür stand  Dulli, der mit einer wahrlich seelenvollen Kraftprotz-Stimme gesegnet war (und ist). Dieser Hybrid-Stil und der phänomenale Sänger prägen auch „How Do You Burn?“ – wobei das Songwriting diesmal besonders gut ist. Eins der stärksten Alben der Band!

Text: Werner Herpell 
Fotocredit: Royal Cream


 Das ist heiß! 

Der Newsletter startete mit 'ner Party und Döntjes von vor 20 Jahren – dann soll er doch bitte auch mit 'ner Party und Musik von vor 20 Jahren (plus/minus) enden: Im Komet auf St. Pauli gibt's am Samstag nach Ewigkeiten wieder „Take Me Out – Again“ , den Indie-Club „für Leute, die sowas ,früher’ schon gut fanden“. Aufgelegt werden Kracher von Modest Mouse, den Buzzcocks, Sonic Youth, Blur, Tocotronic, Clash und vielen anderen. Start ist um 21.30 Uhr. Und wer weiß: Vielleicht kommt die Musik ja sogar von CD?!

Grafik: Jule K. 
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