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Hallo <<Vorname>> <<Nachname>>,

Sommerferien! Hach, herrlich. Wer kann, macht jetzt erst einmal: nichts. Müßiggang. Den Schlendrian einziehen lassen. Dolcefarniente. Wunderbare Vorstellung. Bevor hier jetzt allzu deutlich wird, dass der Neid aus mir spricht (ja, nein, kein Urlaub in Sicht), vergaloppiere ich mich lieber ein bisschen.

Also: Als ich vielleicht sechs oder sieben Jahre alt war, dachte ich, dieser „Schlendrian“, mit dem meine Lehrerin gerne drohte, sei ein fieser Kerl – Typ Gargamel, Nachname Schlendrian – der sich bei uns breitmachen will. Einer, der plötzlich vor der Tür steht und mit einem Berg Umzugskartons hinter sich behauptet, hier! jetzt! sofort! einziehen zu dürfen. In Gedanken rief ich damals sicher so was wie: Hau ab, du! Eine Philantropin war ich offensichtlich nicht. Unangenehm.

Heute weiß ich: Schlendrian kommt vom niederländischen Wort „slenteren“, was so viel wie „sehr langsam gehen“ bedeutet. Das kann man dieser Tage ja zum Beispiel ganz hervorragend und total unkompliziert in der Hochschule für bildende Künste auf der Uhlenhorst: Kunst gucken bei der „Graduate Show“. Oder auf dem Kiez bei der „Art Week“.

Oder in Harburg bei den „Heino Jaeger Festspielen“ im Archäologischen Museum, wo man ab heute nicht nur die Arbeiten dieses vor 25 Jahren verstorbenen Hamburger Kunst- und Satire-Genies – ein Freak im besten Sinne – sehen, sondern auch Heinz Strunk, Rocko Schamoni und Jacques Palminger und andere bei Lesungen und Konzerten live erleben kann (unter dem Link gibt's noch für kurze Zeit Tickets zu gewinnen).

Mein Vorschlag: Geh heute oder morgen oder vielleicht auch erst am Wochenende einfach mal – sehr langsam! – raus. Mach es wie Herr Schlendrian.

Und grüß ihn bitte herzlich von mir.


Deine
Nadine Rinke
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 Die gute 
 Nachricht 

Endlich wieder Draußen-Kino!

Sommer ist hier ja immer erst dann so richtig, wenn es auch die Kinos nach draußen zieht. Ganz egal, ob es denn nun warm ist – oder ob es Hunde und Katzen regnet. Hamburger Kino-Fans sind da hartgesotten. Für all diejenigen gibt's jetzt eine gute Nachricht: Es ist wieder so weit! Das Zeise und das 3001 sind bereits in die Open-Air-Zeit gestartet, der FilmRaum aus Eimsbüttel zieht bald nach (wenn auch in diesem Jahr unter behördlichen Auflagen). Und Ende des Monats ist auch das Schanzenkino-Open-Air wieder am Start. Wo was wie stattfindet: hier geht's zum Artikel.


 schön gesagt 

„Das hier ist wichtig, weil es um die Liebe zum Schauspiel geht. Früher fand ich Theater scheiße. Jetzt habe ich gemerkt, wie geil es ist, auf der Bühne Leute zu erleben, die einfach spielen und sich leidenschaftlich für Inhalte einsetzen. (...) Stirbt die Bühnenkultur, stirbt auch die Demokratie.“
 
– Moritz Bleibtreu. Der Schauspieler überreichte am Wochenende beim Finale der Privattheatertage einen nach seiner verstorbenen Mutter Monica Bleibtreu benannten Preis an die Münchner Kulturbühne Spagat – und setzte sich mit seinem Appell für die Weiterführung des Festivals ein. Denn der Fortbestand ist aktuell nicht garantiert.

Fotocredit: dpa/Markus Scholz 

 Das Album 
 der Woche 

Wenn Neil-Young-Fans „Toast“ sagen, dann nicht als Trinkspruch. Sie meinen ein lange verschollenes Studioalbum ihres Helden mit der legendären Band Crazy Horse. Mit gut 20 Jahren Verspätung erscheint das Werk endlich (Reprise/Warner) – und es hält dem Mythos stand.
Nur sieben Songs sind auf dem Album und doch kommt es auf eine üppige Laufzeit von rund 55 Minuten. Fans von Neil Young & Crazy Horse dürfen sich also wieder über epische, raubeinige Gitarrenkracher freuen. Bei neueren Studioaufnahmen dieses gerade auch live unschlagbaren Rock-Quartetts rechtfertigten solche Tracks nicht immer ihre enorme Länge – für „Gateway Of Love“ (gut zehn Minuten) oder „Boom Boom Boom“ (mehr als 13 Minuten) gilt das aber nicht. Und auch die restlichen Lieder sind fabelhaft: kein Füllmaterial, nur „Killer“. Dieses sehr persönliche Album, das lange als verschollen galt, wird also wohl viele Fans versöhnen, die über Youngs Output mit Crazy Horse oder auch mit der Nachwuchsgruppe Promise Of The Real zuletzt nicht ganz glücklich waren. Seit dem radikal ausufernden „Psychedelic Pill“ (2012) klang jedenfalls keines der vielen Alben des Meisters so durchweg überzeugend. 

Fotocredit: Reprise/Warner


 DER MOPOP-TIpp 

Ganz simpel gesagt: Das hier jetzt, das ist die Kirsche obendrauf für ein Stück, das sowieso schon allerorts als furioses Gesamtkunstwerk gefeiert wird. Kirill Serebrennikovs „Der schwarze Möch“ – in Zusammenarbeit mit dem Thalia-Theater entstanden und dort auch uraufgeführt und vielfach bejubelt – eröffnet heute das renommierte Festival von Avignon. Geplant sind insgesamt acht Vorstellungen, Arte überträgt es live am 9. Juli um 22.40 Uhr. In Hamburg ist die Inszenierung wieder am 3. und 4. Oktober zu sehen, der Vorverkauf läuft schon.
Und apropos Thalia: Seit Ende Februar hat das Theater nach jeder Vorstellung Spenden für die Ukraine gesammelt. Genau 158.817,23 Euro sind dabei zusammengekommen – damit wurde das Ziel von 100.000 Euro mehr als übertroffen. Noch 'ne gute Nachricht.

Fotocredit: Krafft Angerer


 Die ist heiß! 

Das war einer dieser besondereren Momente damals, als ich Culk zum ersten Mal bewusst gehört habe. Shoegaze und Indierock aus Wien, beatlastig – und dann diese Stimme! Eigentümlich, schleppend, mehr Instrument denn Gesang. Sophie Löw heißt die Sängerin, den Namen habe ich mir gemerkt. Jetzt muss ich mir noch einen weiteren merken, denn: Am 19. August bringt sie unter dem Pseudonym Sophia Blenda ihr Solo-Debütalbum „Die Neue Heiterkeit“ (Pias) raus. Und wieder kann man hängenbleiben – an der scheinbaren Verletzlichkeit, an der Piano-Schwere, an diesem Düsteren, das dennoch luftig klingt. Am 12. Oktober ist sie im Nachtasyl. Unterm Dach eines Theaters – das passt. 

Fotocredit: Sophie Löw
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